Am 7. Mai 2013 kündigte Adobe den Abkehr vom klassischen Softwareverkauf über Datenträger an. Software für Kreative wie Photoshop, InDesign, Illustrator und Co. sind nur noch im Abo über die sogenannte Creative Cloud zu beziehen. Die Kreativbranche reagierte in jedem Fall überrascht darauf. Die aktuell bestehende Adobe Creative Suite 6 wird laut FAQ parallel zur neuen Creative Cloud weiterhin auf unbestimmte Zeit verkauft. Neue Desktopprodukte tragen künftig das Kürzel CC (Creative Cloud).

günstige Angebote locken Kreative in die „Abofalle“
Adobe wirbt in Deutschland mit einem Bruttopreis von 61,49 EUR bei Abschluss eines 12-Monats Vertrages (Abschluss nach 31.7.2013). Für diesen Monatspreis kann man sich alle Adobe-Programme runterladen. Die Lizenzierung einzelner Programme wie z.B. Photoshop kostet für den User 24,95 EUR brutto im Monat, bei einem Jahresabo wohlgemerkt.
Selbst Student_innen kommen um die Creative Cloud nicht herum:  19,90 EUR brutto wirft Adobe für das erste Jahr als Lockangebot aus, wenn man bis 31.7.2013 zuschlägt. Dasselbe gilt für das Lockangebot für den Grafiker oder das Unternehmen von nebenan: 36,89 EUR pro Monat fürs erste Jahr bei Abschluss bis 31.7.2013. Danach wirds teurer mit den oben genannten 61,49 EUR.

Gewinner sind die Poweruser – Verlierer KMU’s & Soloselbstständige
„Wo ist das Problem?“ fragen viele Poweruser. Man hat ja mehr Programme als vorher für weniger Geld zur Verfügung. Insbesondere für Leute die früher die Master Collection gekauft haben, ist der Umstieg auf das Abomodell sicherlich lohnenswert.
Bestimmte Kund_innen will Adobe aber anscheinend nicht mehr haben: kleine Unternehmen und Selbstständige. Für diese wird das Mietmodell nach rund 3 Jahren meist teurer als der Boxkauf bzw. das normale Upgrade. Nach einigen Jahren zahlt man mehr als früher. Das gilt mit Sicherheit für den Fall, wenn diese Leute vorher immer eine Version der Creative Suite ausgelassen haben.

Laut den Creative Cloud FAQ kann man eine alte Version eines Adobe CC-Programmes maximal 1 Jahr parallel weiterbetreiben zur neuen Version des entsprechenden Programms. Soweit sogut. Was sich nun für jeden am besten rechnet hängt vom individuellen Bedarf ab.

Aber gerade für kleine Unternehmen und insbesondere Solo-Selbstständige bzw. Existenzgründer ist das Abomodell oft nachteilig. Was wenn während der Gründungsphase oder im Leben des Selbstständigen Einnahmen wegbrechen? Adobe bucht weiter ab. Das Abomodell weist bisher nur die Buchung des Komplettangebots oder einzelner Programme aus. Ziemlich unflexibel und eben teuer das Ganze, wenn man z.B. nur kurzfristig ein bestimmtes Programm benötigt.

Adobe denkt nach Kritik auch über ein spezielles Aboangebot für Photoshop und Lightroom Nutzer nach. Da stellt man sich schon die Frage, ob Adobe erstmal die Nutzerreaktionen abwarten wollte? Warum geht das Unternehmen nicht gleich mit entsprechenden Angeboten in den Markt? Das wirkt alles unausgegoren und wie ein Schnellschuss dafür, dass Adobe mal eben die Planwirtschaft ausruft. Adobe scheint kommunizieren zu wollen „Friss oder Stirb“.

Abo weg, Zugriff auf die Dateien auch weg
Das Größte Problem ist aber der Datenzugriff. Endet das Abo, ist der Zugriff auf die Arbeitsdateien faktisch nicht mehr möglich, auch wenn erst nach 180 Tagen ohne Internetabgleich über Adobe’s Lizenzserver wie beim 1-Jahresabo. Adobe versicherte, dass man weiterhin Zugriff auf die Daten habe. Aber bisher gibt es kein konkretes Lösungsangebot vom Softwarehersteller, wie das ohne Abo gehen soll. Nur leere Worte von Adobe-Manager Nack.
Man stelle sich das vor: nach 1 Jahr ruft ein Kunde an. Er will eine InDesign-Datei nochmal geändert haben und neu drucken lassen. Der Webdesigner, der nur für einige Monate InDesign gemietet hatte, müsste wieder in die Tasche greifen, nur um die InDesign-Datei leicht zu ändern und neu drucken zu lassen.

Ein absolutes No-Go. Adobe enteignet die Leute Ihrer Früchte Arbeit durch das Abomodell. Der Hersteller nutzt hier ganz klar eiskalt sein faktisches Monopol auf dem Markt der Software für die Kreativbranche aus. Der Gewinner ist im genannten Szenario nur Adobe, denn der Webdesigner wird Mühe haben, dem Kunden die Abokosten komplett in Rechnung zu stellen.
Bis auf .PSD-(Photoshopformat) und .PDF-Dateien setzt Adobe bisher auf eigene Formate, die sich nicht mit anderen Anwendungen außerhalb des Adobe-Universums öffnen lassen.
Was also tun? Man kann z.B. eine Petition mitzeichnen, die für die Abschaffung des Abozwangs ist, oder einer Facebook-Seite beitreten, die sich gegen den Abo-Zwang richtet.

Fazit
solange der Datenzugriff nach Ende des Abos nicht gewährt ist, ist das Abomodell für uns unattraktiv. Und warum sollte Adobe beim jetzigen Abopreis bleiben? Er mit Sicherheit steigen spätestens in einigen Jahren, aber der Wechsel auf einen anderen Hersteller ist aufgrund der Abhängigkeit durch die propietären Dateiformate nahezu unmöglich.

Natürlich darf und soll Adobe Geld verdienen. Aber nicht auf Kosten der absoluten Kontrolle über die erzeugten Arbeitsdateien („zahle, sonst kannst du nichts mehr damit anfangen“), den der Softwarehersteller dann gegenüber dem Endandwender hätte.
Bleibt nur zu hoffen, das Adobe mit der Entscheidung hin zum ausschließlichen Abomodell gnadenlos scheitert oder Lösungen anbietet für das Datei-Zugriffsproblem nach Aboende. Ein Ansatz wäre z.B. der Weg, das sich Adobe-Formate wie .INDD, .AI aus den CC-Programmen heraus in Open-Source-Dateiformate exportieren ließen. Ob der Hersteller gewillt ist, für einen ständigen Dateizugriff Lösung(en) anbietet? Die Zukunft wird es zeigen, wir sehen gespannt zu. Zahlreiche Alternativen zu Adobe-Programmen gibt es schließlich auch.

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One thought on “Adobe will zur Planwirtschaft übergehen”

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