Anfang Juni 2012 war es soweit, Google rollte das Update seines Suchalgorithmus „Venice“ aus. Seiten mit lokalen Bezug werden nach diesem Update bevorzugt angezeigt, wenn sie in der Nähe des Suchenden sind und relevant sein könnten. Die Suchergebnisse sind also je nach Standort anders. Wer nach „Bäckerei“ in München sucht, bekommt in Berlin ein anderes Ergebnis angezeigt – die jeweiligen lokalen Bäckereien werden bevorzugt angezeigt.
Tolles Update könnte man meinen, dann können ja lokale Geschäfte besser gefunden werden. Und da ist der Hund begraben. Parallel wurde von Google auch die Umstellung von Google Places-Einträgen auf Google+ Local Einträge vollzogen.

Vor einigen Jahren hatten wir uns einen Eintrag bei Google-Places angelegt als lokales Geschäft. Wer das auch vor hat, sollte sich das genau überlegen. Es sei denn, der Google-Algorithmus hat das Unternehmen schon aus anderen Quellen wie den Gelben Seiten automatisch eingetragen. Denn nach Vorhandensein eines Google-Places Eintrags war es vor dem „Venice“-Update so, dass bei lokalen Suchen wie z. B. „Bäckerei München“ nur noch der Google-Places Eintrag angezeigt wurde. Aus den organischen Suchergebnissen war man mit einem Google-Places Eintrag bei einer lokalem Suche komplett verschwunden.

Für uns ist das auch OK so gewesen – unter „hochzeitsfotograf potsdam“, „eventfotograf potsdam“, „mediengestalter potsdam“ usw. wurden wir gut vor Ort gefunden in Potsdam. Als Suchergebnis erschien immer unser Google-Places Eintrag in einer recht guten Platzierung. Anfang Juni 2012 kam der Hammer: die Umstellung von Google-Places auf Google+ Local hat uns komplett aus den organischen Suchergebnissen und Google-Maps Suchanfragen entfernt bei lokalen Suchanfragen zu für uns wichtigen Suchkombinationen (siehe Beispiele am Anfang des Absatzes) . Suchanfragen wie „abschlussball fotograf“ und andere mögen noch funktionieren, aber die sind für unser Business eben eher nicht so relevant.
Wie kann sowas passieren? Nach einer Aktualisierung der Richtlinien für Google Places im März 2012 hat Google eine neue Qualitätsrichtlinie eingeführt, wonach man abgestraft wird, wenn man die lokale Adresse anzeigen lässt im Places-Eintrag, aber Kunden überwiegend auswärts bedient und empfängt. Sprich: das lokale Geschäft muss auch wirklich Kunden empfangen, damit die lokale Adresse angezeigt werden darf. Ansonsten muss man ein Häkchen setzen bei „Meine Geschäftsadresse nicht in meinem Google Maps-Eintrag anzeigen“. Rausgefunden hatten wir das nach einem Hilfeeintrag im Google-Places Supportforum. Lest einfach mal die Themen im Supportforum durch, die Umstellung auf Google+ Local hat vieles durcheinander gewirbelt.

Was nun? Uns wurde geraten, das Häkchen bei „Meine Geschäftsadresse nicht in meinem Google Maps-Eintrag anzeigen” zu setzen, und dann 10 Tage auf Googles Gnade der Korrektur zu warten. Die 10 Tage sind auf jeden Fall um, passiert ist nicht viel. Gut unsere neue Adresse nach Umzug wird jetzt angezeigt, aber unser Fähnchen als lokales Geschäft ist weg, und wir sind aus den lokalen Suchergebnissen weiterhin verschwunden.
Im Forum bekommen Hilfesuchende bei Einwänden meist zu hören – Google+ Local ist kostenlos, man hat, so der Tenor, Anspruch auf nix. Bloß blöd, wenn der Algorithmus so willkürlich arbeitet wie auch in unserem Fall. Es gibt nämlich z. B. einige KollegInnen bei der lokalen Suche nach „Fotograf Potsdam“ die auch gegen Googles aktualisierte Richtlinie verstoßen. Diese wurden aber nicht abgestraft und komplett entfernt wie unser Unternehmen. Stellt sich natürlich die Frage: den Google+ Local Eintrag löschen und hoffen, dass Google die Website wieder verstärkt in der organischen Suche listet? Das wird wohl nicht passieren.

Und Google will doch vor allem eins mit den auf den ersten Blick kostenlosen Einträgen bei Google+ Local – Geld verdienen. Geld verdienen mit Google AdWords Express z. B., was einem im Backend angepriesen wird. Unsere Meinung dazu: wir werden keinen müden Cent mehr in Google-Werbung jeglicher Form stecken, solange wir willkürlich abgestraft werden, und die Konkurrenz munter weitermachen darf, trotz ebenfalls vorliegender Verstöße gegen die neue Richtlinie. Wenn schon Abstrafung, dann bitte schön für alle. Und wir können jedem Unternehmen nur abraten, einen Google+ Local Eintrag ohne Lesen der Qualitätsrichtlinien anzulegen. Alles andere ist nur blauäugig.

Als Konsequenz werden wir uns noch an Google direkt wenden, mal sehen ob dann was passiert. Ansonsten werden wir auf vor allem in Zukunft auf die Werbung setzen, die die beste ist: Mund-zu-Mund Propaganda, ohne jeden SEO- und Social Media Hokus-Pokus. Lösungsansätze von Euch für den Umgang mit unserem versauten Google+ Local Eintrag sind in den Kommentaren oder per Kontakt an uns dennoch gern willkommen.

Update: Mittlerweile ist unser Google-Places Eintrag seit Mitte August 2012 wieder unter den oben genannten Suchbegriffen zu finden. Was jetzt fehlt, ist das „Fähnchen″. Dadurch, dass die Adresse jetzt nicht mehr angezeigt wird und wir ja gegen die Richtlinie verstoßen haben, ist es wohl verschwunden.
Wie kam es zur Wiederaufnahme in die Ergebnisse? Dadurch dass wir unsere Adresse rausnahmen (das Häkchen gesetzt bei „Meine Geschäftsadresse nicht in meinem Google Maps-Eintrag anzeigen”) wurde die Richtlinie wieder erfüllt. Und wir machten eine Pflege des Eintrages – u.a. Beschränkung auf die drei Kategorien Fotografie, Mediengestaltung und Text. Auch eine neue, passendere Beschreibung wurde geschrieben. Die wird leider nicht angezeigt. Aber all diese Punkte trugen sicherlich ihren Teil dazu bei, wieder in den Google+ Local- Sucherergebnissen aufzutauchen. Fazit: die Richtlinien einhalten, Eintragsinhalte wie Texte und Bilder regelmäßig pflegen bringt wenn man es gekonnt macht, die entsprechende Sichtbarkeit in den lokalen Google-Suchergebnissen.
Übrigens: Google Adwords wurde auch nochmal 8 Tage getestet. Fazit hier: viel Traffic und Clicks – aber wie auch bei wochenlangen Testläufen in 2011 – keine einzige Kundenanfrage. Da macht die Pflege des Google+ Local Eintrages doch bedeutend mehr Sinn …

2 thoughts on “Die Gefahren der Allmacht von Google”

  1. Hmm, das klingt ja wirklich dramatisch. Da sollte man sich den lokalen Eintrag wirklich noch einmal überlegen. Der Google-seitige Einwand, bei einem kostenlosen Dienst habe man keine Ansprüche, stimmt zwar prinzipiell; nur ist es natürlich fatal, wenn bei einer Nutzung ein negativer Effekt die Folge ist – gerade für Freiberufler und KMU!

    Die Schlussfolgerung, deswegen verstärkt auf wom (word of mouth) zu setzen, hört sich trotzdem gut an! Es geht doch nichts über resiliente lokale Netzwerke! 🙂

  2. Der Einwand mit den keinen Anspruch auf nix kam übrigens von den Freiwilligen, die das Google-Hilfeforum ehrenamtlich betreuen. Aber das wird wohl so ähnlich in den Google AGBs stehen. Google wär ja sonst auch schön blöd da Ansprüche zuzulassen, verständlich aus deren Sicht.

    Wobei Mund-zu-Mund natürlich auch erstmal umgesetzt werden muss, dauert ja sehr lange. Eine Google AdWords Kampagne für Hochzeitsfotografie hat jedenfalls außer Klicks bei mir nix bewirkt. Wieviele hunderte von Euro müsste ich wohl versenken, bis ein Auftrag rausspringt? 🙁

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